Erwachsen werden in der Wohngruppe/ Pflegefamilie

Erwachsen werden in der Wohngruppe/ Pflegefamilie

Übergang – Freude oder Angst

Vorbereitung auf den Übergang

Die meisten jungen Menschen wollen irgendwann selbstständig leben. Das Erwachsenwerden ist mit vielen Veränderungen verbunden. So endet die Schule und die Entscheidung für einen Beruf kommt auf dich zu. Eine eigene Wohnung, eine feste Partnerschaft sind vielleicht auch Dinge, die du damit verbindest. Erwachsen werden bedeutet neue Freiheiten, aber auch Verantwortung. Das ist schön, aber fast alle jungen Leute fühlen sich in dieser Lebensphase auch mal überfordert und brauchen Unterstützung.  Kaum jemand zieht gleich mit 18 bei seinen Eltern aus. Manche gehen diesen Schritt erst mit Mitte 20, werden aber oft auch danach noch von ihren Familien unterstützt. Wenn du in einer Wohngruppe oder Pflegefamilie lebst, hast du genauso das Recht auf Unterstützung durch die Kinder- und Jugendhilfe – auch nach deinem 18. Geburtstag.

Erwachsen werden in der Jugendhilfe

In der Jugendhilfe wird für den Übergang in das Erwachsenenleben oft der Begriff »Verselbstständigung« benutzt. Dieser Begriff soll die Zeit beschreiben, in der du dich mit der Unterstützung deiner Pflegeeltern oder Betreuer*innen auf das Leben nach der Jugendhilfe vorbereitest.

In Hilfeplangesprächen werden gemeinsam mit dir Ziele für deinen Weg in die Selbstständigkeit festgelegt. Mit Blick auf die Zukunft wird überlegt, wann du z.B. ins betreute Wohnen wechseln und irgendwann ganz ohne Jugendhilfe auskommen kannst. Diesen Prozess kannst du mitbestimmen und du musst über deine Rechte informiert werden!

Weitere Infos findest du hier:
www.careleaver-kompetenznetz.de

Recht auf Hilfe – Hilfe für junge Volljährige

Im Gesetz ist geregelt, dass du auch nach dem 18. Geburtstag so lange Hilfe bekommen sollst wie du sie brauchst: bis 21 und wenn nötig bis 27! Die Hilfe kann auch mit 18 neu begonnen werden und du kannst, wenn die Jugendhilfe bereits beendet wurde, wieder einsteigen.

§ 41 SGB VIII Hilfe für junge Volljährige, Nachbetreuung
(1) Einem jungen Volljährigen soll Hilfe für die Persönlichkeitsentwicklung und zu einer eigenverantwortlichen Lebensführung gewährt werden, wenn und solange die Hilfe auf Grund der individuellen Situation des jungen Menschen notwendig ist. Die Hilfe wird in der Regel nur bis zur Vollendung des 21. Lebensjahres gewährt; in begründeten Einzelfällen soll sie für einen begrenzten Zeitraum darüber hinaus fortgesetzt werden.
(2) Der junge Volljährige soll auch nach Beendigung der Hilfe bei der Verselbstständigung im notwendigen Umfang beraten und unterstützt werden.

Was sich mit 18 ändert

Wichtig ist, dass du deinen Wunsch nach Hilfe deutlich mitteilst. Das Jugendamt möchte wissen, was du in der Hilfe noch erreichen möchtest. Es prüft mit deinem Antrag, ob du die Hilfe brauchst, ob sie geeignet ist und ob deine Ziele Aussicht auf Erfolg haben. Es reicht, wenn diese drei Punkte wenigstens ein bisschen zutreffen.

Du musst den Antrag auf Hilfe jetzt selbst stellen. Das geht auch mündlich, besser ist es aber schriftlich.
Ab 18 wird deine aktive Mitarbeit (»Mitwirkungsbereitschaft«) erwartet, damit die im Hilfeplan festgelegten Ziele auch erreicht werden. Es besteht die Gefahr, dass die Hilfe eingestellt wird, wenn du dich z. B. überhaupt nicht um vereinbarte Aufgaben kümmerst oder Termine versäumst. Aber: wenn du Probleme bei der Umsetzung der festgelegten Ziele hast, heißt das nicht gleich, dass die Hilfe deshalb beendet werden darf, sondern dass du gerade hier Unterstützung bekommen solltest.

Hier findest du einen Musterantrag für Hilfe für junge Volljährige:
www.moses-online.de

Unterstützung nach dem Auszug

Mit dem Umzug in die eigene Wohnung hast du weiterhin Recht auf Unterstützung. Du kannst eine ambulante Hilfe beantragen. Es ist sinnvoll weiterhin Ansprechpartner*innen zu haben, denn viele Fragen und Probleme tauchen erst nach und nach auf. Dies können Fragen zu Behördenangelegenheiten sein oder aber ganz alltagspraktische Dinge. Mit einer Nachbetreuung bist du mit diesen Fragen nicht allein und kannst mehr Sicherheit gewinnen. Oft wird diese Betreuung auf 3 bis 6 Monate begrenzt. Das muss nicht sein: Du kannst eine längere Unterstützung beantragen. Das geht auch mündlich, z. B. im Hilfeplangespräch.

Dein Recht auf Hilfe durchsetzen!

Intensive Hilfen, wie z. B. Wohngruppen, sind teuer. Daher möchte dein Jugendamt vielleicht, dass du möglichst früh in eine eigene Wohnung ziehst und die Hilfe bald beendest. Lass’ dich nicht drängen! Im § 8 SGB VIII steht, dass Kinder und Jugendliche an allen sie betreffenden Entscheidungen der Jugendhilfe zu beteiligen sind. Es kann aber sein, dass du für die weitere Hilfe kämpfen musst. Betreuer*innen oder andere Vertrauenspersonen, wie deine Pflegeeltern können dir dabei helfen.

Probleme entstehen besonders dann, wenn die Hilfe nicht deinen Wünschen und Bedürfnissen entspricht. Die Hilfe sollte dann nicht beendet, sondern verändert werden! Wenn du in einer Krise steckst, die Betreuung nicht gut läuft – zieh dich nicht zurück! Du kannst mitentscheiden, wie die Hilfe besser für dich wäre. Du hast das Recht mitzubestimmen welche Hilfe du brauchst und wer diese Unterstützung für dich leistet (§ 5 SGB VIII).

Wird ein Antrag auf Hilfe abgelehnt, kann man einen Widerspruch schreiben. Es gibt Beratungsstellen (verlinken mit Lots*innen im Hilfesystem), die dir helfen deine Rechte in der Jugendhilfe durchzusetzen. Die Kontaktaufnahme lohnt sich auf jeden Fall.

Wann ist ein guter Zeitpunkt zum Ausziehen?

Ein ganz bedeutender Schritt auf dem Weg ins Erwachsenenleben ist der Umzug aus der Pflegefamilie oder Wohngruppe in eine selbstständige Wohnform, wie die eigene Wohnung, eine WG oder ein Studentenwohnheim etc. Es verändert sich viel auf einmal und das muss gut organisiert werden. So ist es wichtig auch den Wechsel der Zuständigkeit wie z. B. zum Jobcenter (→ Geld) oder auch in andere Betreuungsformen mit vorzubereiten.

Es ist eine große Herausforderung allein zu leben. Dennoch freuen sich viele junge Leute auf die erste eigene Wohnung. Davor ist einiges zu bedenken. Du kannst gemeinsam mit deinen Betreuer*innen oder anderen wichtigen Menschen überlegen, was alles auf dich zukommt. Du kannst auch Ehemalige fragen, die diesen Schritt schon gemacht haben.

Wichtig ist: Du kannst entscheiden wann du dich sicher genug fühlst – du musst nicht mit 18 aus der Wohngruppe/Pflegefamilie ausziehen, wenn du noch Unterstützung möchtest.

Teste dich selbst!

Es gibt Checklisten mit denen du deine Fähigkeiten und deine Eigenständigkeit einschätzen kannst. Es kann hilfreich sein, wenn dir vertraute Menschen sagen, ob sie dich ähnlich sehen. Manchmal ist man zu kritisch mit sich selbst, manchmal überschätzt man sich – das geht allen so.

Beispiele findest du hier:
www.moses-online.de

In Kontakt bleiben

Viele junge Menschen leben sehr lange in einem Heim, einer Wohngruppe oder Pflegefamilie. Oft sind Freundschaften und Beziehungen entstanden, die dir wichtig sind. Es ist gut, wenn du schon vor deinem Auszug mit deinen Pflegeeltern oder den Betreuer*innen besprichst, wie du in Kontakt bleiben kannst. Bei vielen Pflegefamilien ist es selbstverständlich, dass du weiter ein Teil der Familie bleibst. Viele Einrichtungen ermöglichen Besuche und Übernachtungen, z. B. bei einer Feier oder haben einen freien Schlafplatz. Manche Einrichtungen haben feste Treffen und Angebote für ehemals Betreute. Frag’ nach, ob es bei deiner Einrichtung Angebote für Ehemalige gibt. Vielleicht möchtest du dich auch mit anderen Care Leaver*innen austauschen und vernetzen?

Du kannst dich auch an den Careleaver e.V. wenden.

Was ändert sich in Pflegefamilien bei Volljährigkeit und bei Hilfeende?

Mit dem 18. Geburtstag sind nicht mehr deine Eltern/Personensorgeberechtigten die Anspruchsberechtigten für eine ‚Hilfe zur Erziehung‘ (§§ 27 und 33 SGB VIII). Dieser Anspruch war bisher die Grundlage für die Unterbringung in der Pflegefamilie. Wenn du in einer Pflegefamilie lebst und nach dem Erreichen der Volljährigkeit weiterhin Unterstützung möchtest, kannst du selbst einen Antrag nach § 41 SGB VIII auf ‚Hilfe für junge Volljährige‘ stellen. Diese Unterstützung bildet keine eigene Hilfeform, sondern bedeutet zunächst nur, dass du deinen Anspruch auf eine Hilfe im Kinder- und Jugendhilfegesetz geltend machst. Die Hilfen richten sich weiterhin nach den Angeboten im Sinn der §§ 27ff. SGB VIII.

Jugendhilfe nach dem 18. Geburtstag

Hilfe für junge Volljährige

‚Hilfe für junge Volljährige‘ ist nun eine Leistung für dich und nicht für deine Eltern. Die Hilfe ist auf die Persönlichkeitsentwicklung und eigenverantwortliche Lebensführung ausgerichtet. Die Hilfe für junge Volljährige kann weiterhin als Vollzeitpflege in der Pflegefamilie, aber auch in anderen Varianten, wie beispielsweise im betreuten Wohnen erbracht werden. Besteht das Pflegeverhältnis bereits längere Zeit, gilt für die Pflegefamilie der Schutz der Familie in Artikel 6 GG. Das bedeutet, dass das Interesse der Pflegefamilie als soziale Einheit besonders zu würdigen ist – auch wenn es sich dabei um eine sozialrechtliche Hilfeform handelt. Wenn du und deine Pflegeeltern wollen, dass du in der Pflegefamilie bleibst, darf das Jugendamt deshalb die Gewährung der Hilfe für junge Volljährige nicht an die Bedingung knüpfen, dass du aus der Pflegefamilie ausziehst.

Krankenversicherung, Haftpflichtversicherung und Kindergeld

Wenn du volljährig bist und weiterhin Hilfe in Form von Vollzeitpflege in der Pflegefamilie erhältst, kannst du auch weiterhin bei deinen Pflegeeltern familienversichert bleiben. Nach Hilfeende muss das mit der Krankenversicherung geprüft werden. Besteht eine Familienhaftpflichtversicherung durch die Pflegefamilie, hängt es von Versicherungsvertrag ab, ob und unter welcher Voraussetzung diese bei Volljährigkeit bestehen bleibt. Dies solltest du zusammen mit deiner Pflegefamilie unbedingt rechtzeitig überprüfen.

Wenn deine Pflegeeltern kindergeldberechtigt sind, kann auch nach deinem 18. Geburtstag das Kindergeld an sie ausgezahlt werden – sofern das Pflegeverhältnis fortbesteht. Dafür muss ein neuer Antrag auf Kindergeld für volljährige Kinder bei der Familienkasse gestellt werden.

Kostenheranziehung ab 18

Wenn du als Pflegekind Ersparnisse oder ein eigenes Einkommen hast, so ist zu beachten, dass von dem zuständigen Jugendamt eine Beteiligung an den Kosten der stationären Unterbringung (=Kostenheranziehung) verlangt werden kann. D.h. du kannst in diesem Fall per Bescheid dazu aufgefordert werden, einen Teil deines Einkommens oder Vermögens an das Jugendamt abzugeben. Dies gilt für junge erwachsene Pflegekinder genauso. Allerdings kannst du die Befreiung bzw. Reduzierung der Kostenheranziehung beantragen.

Anträge stellen

Spätestens mit der Volljährigkeit musst du wie alle jungen Menschen den Antrag auf Hilfe selbst stellen. Allerdings kann und sollte der Antrag auf Hilfe für junge Volljährige schon rechtzeitig vor dem 18. Geburtstag gestellt werden.

Sofern du keinen (weiteren) Antrag auf Hilfe für junge Volljährige stellst, endet die Jugendhilfe mit dem 18. Geburtstag bzw. mit dem letztmalig bewilligten Zeitraum für die Hilfe. Bist du nach Ende der Jugendhilfe auf andere Sozialleistungen wie Alg II (Link: Geld – Jobcenter) o.ä. angewiesen, ist es ebenfalls sehr wichtig die entsprechenden Anträge frühzeitig zu stellen.

Alle Anträge, die vor dem 18. Geburtstag notwendig werden, müssen durch deine Sorgerechtsinhaber*innen, meist die leiblichen Eltern oder über die Person, die sonst die Amtsvormundschaft/Amtspflegschaft inne hat, gestellt werden. Pflegeeltern, denen die Alltagsrechte nach §1688 BGB zustehen, ist es nicht möglich diese Anträge für die Kinder zu stellen. Besteht mit Blick auf das Kindeswohl aber die Notwendigkeit sie zu stellen und kommen die Sorgeberechtigen dem nicht nach, können sich deine Pflegeeltern die Rechte zur Antragsstellung vom Familiengericht übertragen lassen.

Weitere relevante Veränderungen mit dem 18. Geburtstag

Rechtliche Vertretung

Während du bis zur Volljährigkeit von deinen Pflegeeltern, Eltern oder deiner*m Vormund*in rechtlich vertreten wurdest, bist du mit dem 18. Geburtstag voll geschäftsfähig, rechtlich voll für dein Handeln verantwortlich und kannst alle Verträge und Rechtsgeschäfte alleine abwickeln. Bist du nicht oder nur teilweise in der Lage diese Angelegenheiten selbst zu regeln, kannst du einen Antrag auf die Einrichtung einer Betreuung nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch (Betreuungsrecht, §§ 1896ff. BGB) stellen. Alternativ zur Einrichtung einer solchen Betreuung kannst du einer Person deines Vertrauens auch eine Vollmacht erteilen, die die gewünschten Bereiche umfasst.

Möglichkeiten einer Adoption

Vor deiner Volljährigkeit ist eine Adoption durch deine Pflegefamilie nur mit Zustimmung deiner leiblichen Eltern möglich. Ist eine Adoption von dir und deinen Pflegeeltern gewünscht und scheiterte bisher an der Zustimmung deiner leiblichen Eltern, gibt es nach dem 18. Geburtstag neue Möglichkeiten. Es gibt die Option, dass du als volljähriges Pflegekind wie ein*e Minderjährige*r und nicht nach den Regeln der Volljährigen-Adoption [1] adoptiert werden kannst (vgl. BGB §1772), wenn du bereits minderjährig in die Familie kamst und sich ein Eltern-Kind Verhältnis entwickelt hat. Dazu musst du sobald du volljährig bist beim Familiengericht einen Antrag auf ‚Adoption mit Wirkung der Minderjährigenannahme‘ stellen.

Situation nach Ende der Jugendhilfe

Endet das Pflegeverhältnis (mit dem 18. Geburtstag oder später), gibt es einige rechtliche Veränderungen:

Wohnen und Finanzierung

Nach dem Ende des offiziellen Pflegeverhältnisses innerhalb der Jugendhilfe musst du deinen Lebensunterhalt ohne die finanzielle Unterstützung des Jugendamtes bestreiten.

Du kannst prinzipiell auch nach Ende der Jugendhilfe bei deinen bisherigen Pflegeeltern weiter wohnen. Nach Hilfeende kannst du auch an den Kosten für die Unterkunft beteiligt werden. Dazu kann ein z. B. ein schriftlicher Untermietvertrag abgeschlossen werden. Leben deine Pflegeeltern in einer Mietwohnung, benötigen sie dafür die Zustimmung des Vermietenden. Wenn du ein eigenes Einkommen hast, kannst du auf dieser Grundlage u.U. Wohngeld beantragen. Beziehst du Bafög oder BAB, wird der Mietanteil dort berücksichtigt. Ziehst du Alg II und lebst nach dem Ende der Jugendhilfe bei deinen Pflegeeltern, so werdet ihr als eine Haushaltsgemeinschaft und nicht als Bedarfsgemeinschaft eingestuft. Das bedeutet, dass das Einkommen der Pflegefamilie für deinen Leistungsbezug unerheblich ist.

Für deine Pflegeeltern fallen bei Hilfeende die bisherigen Steuervorteile weg und sie sind nicht mehr kindergeldberechtigt. Mit dem Ende der Vollzeitpflege sind grundsätzlich die leiblichen Eltern wieder kindergeldberechtigt. Wenn du Vollwaise bist oder (z.B. durch Anfragen bei den Einwohnermeldeämtern) nachweisen kannst, dass der Aufenthaltsort der Eltern nicht bekannt ist, kannst du mit einem speziellen Antragsformular selbst einen Antrag auf Kindergeld stellen und erhältst das Kindergeld direkt ausgezahlt. Wenn deine leiblichen Eltern auffindbar sind, müssen sie das Kindergeld beantragen und die jungen Volljährigen können erst unter diesen Voraussetzungen einen Abzweigungsantrag [2] stellen und das Kindergeld direkt an sich auszahlen lassen. Die Notwendigkeit wieder mit den leibliche Eltern Kontakt aufzunehmen, ist für Care Leaver*in häufig sehr problematisch. Es kann eine große psychische Belastung darstellen und auch praktisch schwierig sein, wenn der Aufenthaltsort der Eltern nicht bekannt ist oder diese nicht kooperieren.

Versicherungen

Mit Ende des Pflegeverhältnisses muss mit der jeweiligen Krankenkasse geklärt werden, ob die Familienversicherung in der Pflegefamilie auch über das Hilfeende hinaus möglich ist. Wenn die Familienversicherung über die Pflegeeltern endet, muss deine Krankenversicherung neu geregelt werden. Dies ist über eine Pflichtversicherung im Rahmen der Ausbildung, über eine Familienversicherung bei deinen leiblichen Eltern, im Zusammenhang mit dem Bezug einer (Halb) Waisenrente oder im Rahmen einer freiwilligen Krankenversicherung möglich.


[1] Zu beachten ist, dass mit der Volljährigenadoption die Rechte und Pflichten gegenüber den leiblichen Eltern (vor allen Dingen Unterhalt) nicht aufgekündigt werden können.

[2] Abzweigungsantrag: Die Abzweigung des Kindergeldes an ein volljähriges Kind ist nur dann möglich, wenn die Eltern ihrer Unterhaltspflicht nicht oder nicht ausreichend nachkommen, also regelmäßig keinen oder nur geringen Unterhalt zahlen.

So könnte dein Weg aussehen

»Positiv lief auf jeden Fall, dass ich halt bei dem Umzug so unterstützt wurde, auch beim Möbelkauf, dass mir geholfen wurde bei den Ämteranträgen, weil das sind echt viele Seiten, die man bekommt und man versteht halt ganz viel nicht. Das war echt positiv, dass man auch immer jemanden fragen konnte.« Care Leaverin, 22 Jahre


Schrittweiser Übergang

Als Zwischenschritte auf dem Weg in die eigene Wohnung haben viele Einrichtungen betreute Wohnformen entwickelt. Diesen Übergang in Stufen erleben viele Care Leaver als eine gute Vorbereitung auf das Leben im eigenen Wohnraum. Du kannst nach und nach alle Dinge einüben, die auf dich zukommen, wenn du allein lebst. Frag’ nach, welche Angebote es bei dir vor Ort gibt! Manchmal werden z. B. ab einem Alter von 16 Jahren sogenannte Verselbstständigungs-Wohngruppen angeboten. Hier kannst du dich bereits in vielem ausprobieren, wie z. B. Haushaltsführung und Kochen.

Trainingswohnen

Viele junge Menschen, die in einer Wohngruppe gelebt haben, gehen den Zwischenschritt einer sogenannten Trainingswohnung. Dies kann z. B. eine separate Wohnung im Haus oder auf dem Gelände der Einrichtung sein. Dort wohnst du eine Zeit lang allein oder in einer WG, bis du in deine eigene Wohnung ziehst. Hier hast du bereits betreuungsfreie Zeiten und lernst das tägliche Leben weitgehend allein zu organisieren, z. B. dein Geld selbst zu verwalten. Du wirst von deinen Betreuer*innen in allen Schritten eng begleitet und unterstützt und kannst auch noch Kontakt zu deiner Wohngruppe haben.

Eigene Wohnung

Den nächsten Schritt in die Eigenständigkeit stellen Angebote des »ambulant« betreuten Wohnens dar. Dies bedeutet, dass du bereits in einer Mietwohnung lebst und durch Besuche der Betreuer*innen weiter unterstützt wirst. Meist gibt es auch eine Rufbereitschaft für Notfälle. Manche Einrichtungen haben eigene Wohnungen, in die du einziehen kannst, oder bieten betreutes Wohnen in Wohn- oder Hausgemeinschaften an. Andere suchen zusammen mit dir eine Wohnung, die du bei Volljährigkeit oder Hilfeende übernehmen kannst. Das kann Vorteile haben, denn dann musst du nicht schon wieder umziehen.