Endlich 18!

Endlich 18!

Endlich 18 – Fluch oder Segen?

18 werden in der Jugendhilfe

An deinem 18. Geburtstag bist du volljährig – von diesem Tag an gilt man in Deutschland rechtlich als erwachsen. Das bringt eine Reihe von Änderungen mit sich. Du hast jetzt nicht nur mehr Rechte, sondern auch einige neue Pflichten. Du darfst jetzt eigene Entscheidungen treffen, musst für dein Handeln aber auch die Verantwortung tragen.

18 – To do:

  • Geburtstagsparty vorbereiten
  • Hilfe §41 SGB VIII beantragen
  • Konto eröffnen
  • Haftpflichtversicherung klären

Weitere Infos findest du hier:
Verbraucherzentrale: Endlich erwachsen!

Ende der gesetzlichen Vertretung durch die Eltern oder einer Vormundschaft

Mit dem 18. Geburtstag endet die gesetzliche Vertretung durch deine Eltern. Auch eine Amtsvormundschaft oder -pflegschaft, die für dich möglicherweise eingerichtet wurde, endet an diesem Tag. Dies bedeutet, dass du nun im rechtlichen Sinne selbst für dein Handeln verantwortlich bist und alle Verträge und Rechtsgeschäfte alleine abwickeln kannst, aber auch für die Folgen, z. B. Schulden, verantwortlich bist. Wenn du nicht oder nur teilweise in der Lage bist diese Angelegenheiten selbst zu regeln, kann, am besten schon vor dem 18. Geburtstag ein Antrag auf die Einrichtung einer Betreuung gestellt werden. Die Betreuung kann alle Angelegenheiten oder nur einige Teilbereiche, wie die Vertretung vor Behörden, Vermögenssorge u.a. betreffen. Die Geschäftsfähigkeit bleibt erhalten, allerdings kann, wenn beispielsweise Überschuldung droht ein Einwilligungsvorbehalt eingerichtet werden, mit dem der*die Betreuer*in Verträge auch wieder rückgängig machen kann. Es wird empfohlen eine Betreuung notariell beurkunden zu lassen. Alternativ zur Einrichtung einer Betreuung kannst du auch einer Person deines Vertrauens auch eine Vollmacht erteilen, die die gewünschten Bereiche umfasst.

Geschäftsfähigkeit

Ab dem 18. Geburtstag bist du voll geschäftsfähig. Das bedeutet, dass du ab jetzt Verträge wie Kaufvertrag, Mietvertrag oder einen Kreditvertrag selbst abschließen darfst. Alle Verpflichtungen, die sich daraus ergeben, musst du auch selbst erfüllen. Das Risiko für dein Handeln trägst du selbst, z. B. wenn du die Gebühren für einen Handy-Vertrag nicht mehr bezahlen kannst.

Du kannst jetzt auch deine Geldgeschäfte eigenständig regeln und selbst ein Konto eröffnen (→ Geld). Volljährige können über ihren Wohnsitz frei bestimmen – du kannst also aus der Wohngruppe oder Pflegefamilie ausziehen, wenn du das möchtest. Zur Geschäftsfähigkeit gehört auch die »Prozessfähigkeit«. Das bedeutet, dass du jetzt das Recht hast Gerichtsprozesse zu führen. Du kannst dies selbst tun oder dich durch einen Anwalt vertreten lassen.

Du musst nun alle Anträge selber stellen

Mit dem 18. Geburtstag musst du alle Anträge bei Behörden auf Hilfe und Geldleistungen selbst stellen. Falls dich bis dahin ein*e Vormund*in oder Pfleger*in vertreten hat, endet dies mit deiner Volljährigkeit. Du entscheidest nun selbst über deine Angelegenheiten.

Wenn du mit 18 weiter oder zum ersten Mal Unterstützung durch die Jugendhilfe haben möchtest, musst du selbst den Antrag stellen (→ Erwachsen werden in der Wohngruppe/Pflegefamilie). Hilfreich ist eine Liste aller Dinge, die du mit der Volljährigkeit regeln musst, z. B. zu Anträgen, die du stellen musst. Diese kannst du z. B. gemeinsam mit deinem*r Vormund*in, deinen Betreuer*innen oder Pflegeeltern erstellen. Ihr solltet mindestens ein halbes Jahr vor deinem 18. Geburtstag damit anfangen.

Versicherungen

Wenn du deinen Auszug aus der Wohngruppe/Pflegefamilie planst, stellt sich die Frage, wie du dich am besten versicherst. Eine Versicherung schützt dich finanziell vor alltäglichen Risiken, zum Beispiel bei Krankheit. Es gibt viele unterschiedliche Versicherungen. Nur wenige sind sehr wichtig wie die Krankenversicherung und die Haftpflicht.

Lass’ dir keine Versicherungen aufdrängen. Die meisten brauchst du nicht.

Versicherungen – Allgemeines

Wenn du deinen Auszug aus der Wohngruppe/ Pflegefamilie planst, stellt sich die Frage, wie du dich am besten versicherst. Eine Versicherung schützt dich finanziell vor alltäglichen Risiken, zum Beispiel bei Krankheit. Es gibt viele unterschiedliche Versicherungen. Nur wenige sind sehr wichtig wie die Krankenversicherung und die Haftpflicht.

Lass’ dir keine Versicherungen aufdrängen. Die meisten brauchst du nicht.

Krankenversicherung

Eine Krankenversicherung brauchst du unbedingt. Ohne gültige Versichertenkarte behandeln Ärzte heute oft nicht mehr. Manchmal stehen teure Operationen an. Das könnte kaum jemand selbst bezahlen. Dafür tritt die Krankenkasse ein. Deshalb ist eine Krankenversicherung inzwischen für alle verpflichtend. Hier geht es um die gesetzliche Krankenversicherung. Alternativ gibt es insbesondere für Vielverdienende, Selbstständige und Beamt*innen auch die Möglichkeit sich privat zu versichern.

Familienversicherung

Falls du eine Ausbildung machst und über ein Einkommen von weniger als 400 Euro verfügst, kannst du auch nach deinem 18. Geburtstag ohne zusätzliche Kosten über deine Eltern krankenversichert sein. Pflegekinder können sich auch über ihre Pflegeeltern versichern.

Die Familienversicherung kann bis zu deinem 25. Geburtstag fortgesetzt werden, wenn du:

  • eine allgemeinbildende Schule besuchst
  • im Studium bist
  • eine schulische Ausbildung machst oder
  • ein Freiwilliges Soziales/ Ökologisches Jahr leistest,

Eigene Krankenversicherung

Wenn du eine betriebliche Berufsausbildung machst, kannst du nicht mehr über deine Eltern versichert sein. Dann musst du dich selbst für eine Krankenkasse entscheiden und dort Mitglied werden. Es gibt über 200 verschiedene Krankenkassen. Vergleichsportale im Internet können dir helfen dich über Leistungen und Kosten zu informieren.

Dein Ausbildungsbetrieb zahlt dann zudem für dich Beiträge zur Sozialversicherung (Arbeitslosen-, Pflege-, Renten- und Krankenversicherung). Deine Beiträge werden direkt von deinem Ausbildungsgehalt abgezogen.

Achtung: Schuldenrisiko – in Übergangsphasen sollten keine Versicherungslücken entstehen. Ist Arbeitslosengeld II dein Haupteinkommen, wirst du selbst Mitglied einer Krankenkasse. Das Jobcenter übernimmt dann den Grundbeitrag.

Haftpflichtversicherung

Die zweite wichtige Versicherung ist die private Haftpflichtversicherung. Sie trägt die Kosten, wenn du versehentlich einen »Schaden verursachst«. Das heißt, dass du etwas kaputt machst, was nicht dir gehört, oder vielleicht bei einem Unfall jemanden verletzt. In diesem Fall können die Betroffenen Schadensersatz von dir fordern. Diese Risiken sind ganz alltäglich. Jeder kann in die Situation kommen. Deine Haftpflichtversicherung bezahlt dann die Kosten.

So lange du minderjährig bist oder noch in der Kinder- und Jugendhilfe lebst, brauchst du keine eigene Haftpflichtversicherung. Wenn geklärt ist, ob deine Eltern eine Haftpflichtversicherung haben, kannst du auch mit 18 zunächst bei ihnen mitversichert bleiben. Sie gilt für dich, wenn du noch zur Schule gehst, eine Ausbildung machst oder studierst. Praktika oder Wartezeiten auf einen Ausbildungsplatz zählen auch dazu. Die Mitversicherung endet, sobald eine Berufsausbildung abgeschlossen ist, spätestens aber mit dem 25. Geburtstag.

Wahlrecht

Mit der Volljährigkeit erlangst du das aktive und passive Wahlrecht. »Aktiv« bedeutet, dass du bei Europa-, Kommunal-, Landtags- und Bundestagswahlen selbst wählen darfst. Du hastt auch das passive Wahlrecht. Das bedeutet, dass du dich nun auch selbst zur Wahl stellen und gewählt werden kannst. Was viele nicht wissen: Auch in den Personal- oder Betriebsrat (die Mitarbeitendenvertretung) bei deinem/ deiner Arbeitgeber*in kannst du dich wählen lassen.

Führerschein

Mit der Fahrausbildung muss man nicht bis zur Volljährigkeit warten. Die theoretische Prüfung dürft ihr schon drei Monate vor dem 17. Geburtstag machen. Die praktische Prüfung darf frühestes einen Monat vor dem 17. Geburtstag stattfinden.

Bis zum 18. Geburtstag darf man nur mit Begleitung fahren. Für alle – unabhängig vom Alter – gilt: Zunächst gibt es den Führerschein nur auf Probe. Nach zwei Jahren ohne Verkehrsverstöße erhaltet ihr die unbeschränkte Fahrerlaubnis.

Weitere Infos findest du hier:
www.jungesportal.de des ADAC
Infoseite des Bundesministeriums für Verkehr

Schadensersatz

Für alle angerichteten Schäden ist man ab dem 18. Geburtstag selbst verantwortlich. Eine Privathaftpflichtversicherung übernimmt die Kosten, wenn ihr Dinge beschädigt habt, die anderen gehören (→ Versicherungen).

Arbeitszeiten

Für Volljährige gelten die Bestimmungen des Jugendarbeitsschutzgesetzes nicht mehr. Ab jetzt darf man mehr als 40 Stunden pro Woche arbeiten. Auch die Arbeit am Wochenende und an Feiertagen sowie Schicht- und Akkordarbeit sind nun erlaubt (→ Ausbildung/ Training/ Studium).

Jugendschutz

Mit 18 gibt es keine Verbote nach dem Jugendschutzgesetz mehr. Ihr dürft nun ausgehen, solange ihr wollt, jeden Film ansehen und Zeitschriften, Videos, PC-Spiele etc. nutzen. Auch der Kauf und Konsum von hochprozentigem Alkohol und Tabakwaren sind jetzt erlaubt.

Heiraten/ Ehe

Wenn beide Partner*innen volljährig sind, dürfen sie heiraten, ohne jemanden fragen zu müssen, z. B. die Eltern. Wer nicht bis zur Volljährigkeit warten möchte, muss einen Antrag beim Familiengericht stellen. Aber auch in diesem Fall muss eine*r der Partner*innen volljährig sein.

Sorgerecht

Junge Frauen, die nach 18 Mutter werden und unverheiratet sind, erhalten in der Regel das alleinige Sorgerecht für das Kind. Eine »Sorgeerklärung« beim Jugendamt ermöglicht, dass die Mutter und der Vater die elterliche Sorge gemeinsam ausüben. Voraussetzung ist, dass der Vater auch volljährig ist. Ist er minderjährig, benötigt er die Zustimmung seines gesetzlichen Vertreters.

Bekommt eine minderjährige Mutter ein Kind, wird ein Vormund für das Kind bestellt, der bis zur Volljährigkeit der Mutter die elterliche Sorge ausübt (→ Mutter/ Vater werden).

Strafmündigkeit

Ab 18 bist du für dein Handeln alleine verantwortlich und voll strafmündig. Bis zum 21. Lebensjahr gilt man als Heranwachsende*r und kann für eine Straftat noch nach dem Jugendstrafrecht behandelt werden. Entscheidend dafür, ob man als Erwachsene*r verurteilt wird oder als Jugendliche*r, ist die persönliche Reife. (→ Weitere Hilfen)


»Das ist halt immer so ‘n Zwiespalt zwischen Eigenständigkeit, dass man halt wirklich alleine steht. Man denkt sich so: ›Hm, Scheibenkleister, jetzt musst du wirklich alles selber machen‹, auf der andern Seite denkste dir ›Geil, ich darf alles selber machen!‹ Es braucht keiner mehr sagen so: ›Hm, was ist denn das?‹« Care Leaverin, 22 Jahre